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Guinea - das vergessene Land in Westafrika

Der west-afrikanische Staat Guinea war bis 1958 französische Kolonie und wurde unter der Führung von Sekou Touré von Frankreich unabhängig. Seit dem bestehen bereits diplomatische Beziehungen zur BRD, dennoch wird Guinea in deutschen Medien fast nie erwähnt.

In Guinea herrschte seit der Unabhängigkeit ca. 50 Jahre eine Militärdiktatur. Erst nach dem Tode des 2. Staatspräsidenten Lansane Conte, Ende des Jahres 2008, konnte versucht werden die Folgen zu überwinden und Demokratie einzuführen.


Guinea zählt bis heute zu den ärmsten und industriell am wenigsten entwickelten Ländern der Welt mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 190 Euro pro Kopf der mehr als 10 Millionen Menschen.

Es gibt eine hohe Arbeitslosigkeit. Gründe sind u.a. fehlende Industrie und die eklatante Rückständigkeit der Energie - und Infrastruktur des Landes.

Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist durch großen Mangel gekennzeichnet. Es gibt keine Krankenversicherung und es fehlt an medizinischen Geräten und bezahlbaren Medikamenten.


Die politischen Verhältnisse waren nach dem Tode Lansana Contes bis heute sehr instabil, da unter den größten Bevölkerungsgruppen Guineas, den Malinke, Susu und Pheul, Rivalitäten um die Machtstrukturen bestehen und keine demokratischen Erfahrungen und kein echtes demokratisches Bewußtsein in der Bevölkerung existiert.

Ich mußte das am eigenen Leib erfahren und konnte 2008 das Land nur mit militärischem Geleitschutz, der mich zum Flughafen brachte, Hals über Kopf verlassen.


2010 bahnte sich endlich eine konkrete demokratische Entwicklung an. Die ersten freien, demokratischen Präsidentschaftswahlen fanden im Juni statt, brachten aber kein endgültiges Ergebnis. Vor der Stichwahl im November gab es wieder blutige, politische Unruhen.

Sieger der Stichwahl und Staatspräsident wurde der ehemalige Oppositionschef Alpha Condé durch eine Allianz der Bevölkerungsgruppen der Malinke und Susu. Die Opposition des Cellou Dalein Diallo, eines Peulh, protestierte gegen das Ergebnis, da er der Meinung war, die Mehrheit erzielt zu haben. 

Alpha Condé  hielt sich aber an der Macht und regierte mit einem Übergangsparlament. 6 Monate nach der Präsidentenwahl sollte die neue Nationalversammlung gewählt werden. Wegen anhaltender Querelen innerhalb der politischen Kräfte wurde der Wahltermin aber immer wieder verschoben. 

Ende September 2013 wurden in Guinea endlich die ersten Parlamentswahlen seit mehr als zehn Jahren abgehalten. In Guinea schlagen im Vorfeld von Wahlen die Wogen immer sehr hoch.


Politische Auseinandersetzungen nehmen rasch ethnische Dimensionen an und es gibt Proteste und gewalttätige Ausschreitungen. So wiegelt das Rassemblement du peuple de Guinée (RPG) Condés, eines Malinké, Teile der Bevölkerung gegen die Peulh auf, die sich landesweit als erfolgreiche Geschäftsleute niedergelassen haben. Seit Anfang des Jahres kamen bei Unruhen wieder rund 50 Personen ums Leben.


Das Ergebnis der Wahl sieht die RPG von Condé mit 53 Sitzen + 7 Sitzen von Splitterparteien als Sieger. Cellou Dalein Diallo verlangt wie 2010 die Annulierung der Wahl, da er massive Manipulationen reklamiert, will aber auf Strassenproteste verzichten.

Der Demokratisierungsprozess ist bis heute nicht befriedigend verlaufen und kann keineswegs als abgeschlossen angesehen werden. Es muss abgewartet werden, ob die Bevölkerungsgruppen der Malinké, Susu und Peulh dauerhaft in einem demokratischen System friedlich zusammen leben können.